Auch bei der Prävention und Rehabilitation von Krebserkrankungen?

Immunologen und Forschung sind seit Jahrzehnten darauf gekommen, dass das Waldbaden einen gesundheitsfördernden Effekt auf unser Immunsystem hat. Das Waldbaden hat seit den 80er Jahren Tradition in Japan und heißt dort shinrin-yoku. Wortwörtlich übersetzt bedeutet es „Einatmen der Wald-Atmosphäre“. Der Begriff Shinrin Yoku wurde in Japan in den 80er Jahren, als Konzept der Naturtherapie und zur Erholung geprägt. Die staatliche Waldbehörde Japans schlug vor, Shinrin-Yoku öffentlich zu bewerben und zu fördern. Die Wiege des shinrin-yoku befindet sich im Akasawa Natural recreation Forest, nahe Agematsu. Er gilt als eines der schönsten Wälder Japans, mit Bäumen Zypressen, die mehr als 300 Jahre alt sind. Im Jahr 1970 wurde dieser zum ersten Erholungswald Japans ernannt. Mittlerweile gibt es in Japan 60 solcher Wälder. Nicht nur in Japan, sondern auch in Südkorea ist shinrin-yoku ergänzend zur Waldmedizin, mittlerweile zu einem festen Bestandteil in der Gesundheitsvorsorge avanciert.

Studien belegen die Wirkung von Waldbaden

Der bekannteste Forscher in Japan ist Qin Li, Prof. an der Nippon medical School in Tokio und Präsident der japanische Gesellschaft für Waldmedizin, welche 2012 gegründet wurde. Seine Studien belegen die Wirkung von Waldbaden auf die Psyche, unser Stresssystem und unser Immunsystem. Waldbaden ist effiziente Vorbeugung stressbedingter Störungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselstörungen, wie Diabetes Typ II, Autoimmunerkrankungen und Krebs.Shinrin-yoku wird vom staatlichen Gesundheitswesen gefördert und an Japans medizinischen Universitäten und Kliniken erforscht und durchgeführt. Mittlerweile beteiligen sich Wissenschaftler weltweit an dieser Forschung.

Es wurde nachgewiesen, dass Menschen, die Schmerzen haben, weniger Schmerzmittel benötigen, wenn sie regelmäßig einen Wald aufsuchen. Studien haben sogar belegt, dass Patienten, die im Krankenhaus in einem Zimmer mit Blick auf Bäume und grüne Parkanlagen schneller entlassen werden können, wenn als Patienten, die von ihrem Patientenzimmer aus auf eine Hauswand blicken. Wer häufiger ins Grüne blickt, hat weniger Kopfweh. Aber nicht nur das allein, Wissenschaftler verlassen sich nicht allein, auf die Aussage, dass es einem Patienten besser geht, er belegt diese Aussagen mit handfesten Daten.

Natürliche Killerzellen erhöht

Zu Forschungszwecken, wurde Waldbesuchern vor und nach dem Waldbaden Blut abgenommen und es wurde festgestellt, dass die Anzahl der natürlichen Killerzellen im Blut gestiegen ist, dass die Anzahl der natürlichen Killerzellen sogar aktiver geworden ist und das das Anti-Krebs-Protein , mit dem das Immunsystem Krebs vorbeugt, oder den Tumor bekämpft, ebenfalls deutlich angestiegen ist.

Die natürlichen Killerzellen sind eine spezielle Form der weißen Blutkörperchen. Sie entstehen im Knochenmark und schwimmen in unserem Blut, wo sie wichtige Aufgaben erfüllen. Sie können erkennen, wenn Blutzellen oder Körperzellen mit einem Virus infiziert sind und töten diese Zellen dann einfach durch Zellgifte ab. Somit sterben auch die Viren, von denen diese Zellen befallen sind. Ohne Wirtszelle können Viren nicht überleben. ´Genauso arbeiten die natürlichen Killerzellen, wenn sie auf entartete Zellen treffen, die zu bösartigen Tumoren wachsen können. Die natürlichen Killerzellen sind unsere körpereigenen Gesundheitsdienstleister, sie schützen uns vor Viren oder vor der Entstehung von Krebs.

Zahlreiche Studien belegen, dass die Anzahl der natürlichen Killerzellen ansteigt. Prof. Qin Li konnte sogar belegen, dass der Effekt des Waldbadens sogar nachhaltig anhält. Bereits ein einziger Tag (entspricht in etwa einem vier-stündigen Waldbesuch) reichen, um die Zahl der natürlichen Killerzellen im Blut um durchschnittlich 40 Prozent erhöht. Dieser Effekt hält nachhaltig bis zu sieben Tage an. Nach einem 2-3 tägigen Aufenthalt bleibt dieser Effekt sogar bis zu 30 Tage lang bestehen.

Zusätzlich produziert unser Immunsystem während eines Waldbesuchs die Anti-Krebs-Proteine Perforin, Granzyme und Granulysin. Mithilfe dieser Proteine geht unser Immunsystem gegen entartete Zellen vor.

Woher kommt diese Wirkung

Wieso der Wald eine solche Wirkung auf unseren Körper hat, ist relativ schnell erklärt. Wenn wir uns im Wald aufhalten, atmen wir sekundäre Pflanzenstoffe ein, über die die Pflanzen miteinander kommunizieren, die sogenannten Terpene. Dieses Kommunikationssystem inkludiert ebenfalls Pilze und Mose. Diese Terpene erfüllen mehrere Funktionen; zum einen bieten sie den Bäumen Schutz vor erhöhter Sonneneinstrahlung im Sommer, zum anderen locken sie Insekten und andere Tiere an und dienen den Pflanzen auch zur gegenseitigen Warnung vor Schädlingen. Man könnte vom Immunsystem des Waldes sprechen. Viele dieser Terpene stimulieren unser Immunsystem und erhöhen die Natürlichen Killerzellen im Blut. Unser Immunsystem interagiert im Prinzip mit dem Immunsystem des Waldes. Klingt ziemlich abgefahren. Ist es wahrscheinlich auch, wenn man bedenkt, dass der Mensch und alle Lebewesen als voneinander isolierte Lebewesen betrachtet wurden.

Bei all dem Wissen und bereits erfolgten Forschungen, betone ich an dieser Stelle, dass der Wald keine schulmedizinische Behandlung ersetzt, sondern lediglich ergänzt. Positiv ist, dass ein Waldbesuch nie einen Schaden anrichten könnte, so wie es manch ein anderes alternatives medizinisches Produkt anrichten könnte, bevor die Verwendung nicht mit dem eigenen Arzt abgesprochen wurde. Der Besuch im Wald ersetzt keinen Arzt!

Quellen:

Arvay, Clemens: Der Biophilia Effekt, 7. Auflage, Ullstein Verlag, Wien 2020.

Bernjus, Annette, Cavelius Anna: Waldbaden, 1. Auflage, MVG Verlag, 2018.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.