führte mich über Umwege

Ich bin in einem Dorf aufgewachsen, in einem Haus, das am Rande des Dorfes stand. Danach kamen nur noch Felder, Wiesen und Wald. Als Kinder haben wir nur draußen gespielt, unabhängig und frei. Unser Lieblingsspiel im Wald war, aus Ästen und Hölzern Tipis zu bauen und Indianer zu spielen. Oder wir spielten, dass wir elternlose Kindern wären, die im Wald wohnten und sich selbst versorgen müssten. Wir sammelten alles: Blätter, Beeren, Käfer und taten so, als würden wir es essen, oder daraus Suppen kochen. Als ich älter wurde, fuhr ich im Wald mit meinem Mountainbike, oder lief im Winter auf dem zugefrorenen Waldsee Schlittschuh. Heute nicht denkbar, dass Eltern ihre Kinder solchen „Gefahren“ zumuten würden. Ich liebte diese Freiheit als Kind.

Aus ziemlich konfusen Gründen, studierte ich Wirtschaftswissenschaften und Hispanistik und es trieb mich in die Welt hinaus. So habe ich in einigen Großstädten der Welt gelebt und gearbeitet, obwohl ich ein absolutes Naturkind bin und in einem Naturpark, dem Habichtswald, aufgewachsen bin. Sowohl in Buenos Aires, als auch in Berlin, fehlte mir das Grün, die Weite der Natur, der Blick über eine hügelige Landschaft. Die Luft zum atmen fehlte, die Ruhe, die Farben.

Die schönsten Naturerlebnisse

Mein Herz schlug eine Weile für die Entwicklungszusammenarbeit und ich habe drei Jahre in Tirana als Expertin für Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Albanien war das Land, in dem ich meine schönsten Naturerlebnisse hatte. Natur pur, abgelegene Berge und Täler und das Meer. An einem schönen Februar-Tag verbrachte ich einen Vormittag auf dem Hausberg Tiranas in Schnee und Sonne und den Nachmittag am Strand, unweit der Stadt gelegen. Ich wanderte zu unberührten Stränden, erklomm die entlegensten Bunker und zeltete am See. Ich war glücklich und hätte nicht glücklicher sein können. Aber meine inneren Antreiber trieben mich immer weiter. So ließ ich mich an einer Journalistenschule zur PR-Beraterin ausbilden, arbeitete als Beraterin kehrte zurück nach Deutschland, gründete eine Familie, bekam zwei Kinder und wollte alles. Höher, schneller, weiter. Berufliche Karriere, die perfekte Mutter sein, alles unter einen Hut bekommen, ohne Hilfe und ohne dabei an mich selber zu denken. Ich hetzte von A nach B, gab viel auf die Meinungen anderer, anstatt auf meine innere Stimme zu hören, hatte nicht mal Zeit zum Essen und lebte im totalen Stress.

Eine Krebserkrankung hat mich wieder fokussieren lassen

2020 zwang mich, mit gerade mal 35 Jahren, eine Krebserkrankung in die Knie und die 10-monatige Akuttherapie, inklusive Chemo, OPs und Bestrahlungen haben an mir gerüttelt.
30 Stunden wöchentliche Arbeitszeit, als Mutter von zwei Kindern, inklusive Überstunden und Dienstreisen, ohne eine ausreichende wöchentliche Betreuungszeit, ohne familiäre Unterstützung hatten mich schon vorher über meine Grenzen gebracht. Ich wollte mehr als ich zeitlich leisten konnte. Ich wollte mehr leisten, als ich körperlich konnte. Die konstante zeitliche Überforderung im Job, mit einem gesteigerten Selbstanspruch und der damit einhergehenden geringen Entscheidungsfreiheit haben mich zu Fall gebracht. Der Krebs war für mich der Wendepunkt, der mich hat stoppen lassen. Ich hatte die Möglichkeit mich wieder zu fokussieren. Mich auf meine wichtigen Werte: Selbstfürsorge, Freiheit, Inspiration, Naturliebe, Harmonie und Bewegung zu konzentrieren.

Der Wald: mein Coach

Ich habe meine innere Balance gefunden und lebe jeden Tag aus, was mich ausmacht: Vom Intuitiven Schreiben, Yoga, Laufen, Slacklinen, Wandern, Waldbaden, Meditation und Zeichnen. Täglich halte ich mir vor Augen, dass das Leben hier und jetzt ist. Während der Krebstherapie war der Wald mein Coach, mein Begleiter und Unterstützer. Der Ort an dem ich geweint, gelacht, geschrieben und Ruhe gefunden habe. Er hat mich zu meinen Wurzeln geführt.

Die Natur, der Wald im Besonderen, stellt für mich die beste Quelle dar, um für sich zu sorgen, sich Ruhe und Auszeit zu gönnen. Ich möchte anderen Menschen aufzeigen, welche Kraft uns der Wald geben kann. Insbesondere als ehemalige Krebspatientin habe ich mich über die heilenden Kräfte des Waldes informiert und bin so auf das Buch von Array, den Biophilia Effekt gestoßen. Für mich fiel die Entscheidung sehr schnell, eine Fortbildung als Trainerin für Waldbaden, bei der Deutschen Akademie für Waldbaden zu machen und habe mich zusätzlich dazu in Entspannungstechniken, Stressbewältigung durch Achtsamkeit (DtB) sowie zur Fachkraft für Stressmanagement (IHK) ausbilden lassen.

Mit meinen Erfahrungen und Wissen, bin ich gut gerüstet, andere Menschen kompetent bei ihrer Auszeit im Wald zu begleiten.

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